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G´DAY, MATE!

Anmerkungen zur Mentalität der Aussies

G. Weller-Foto: Australier als patriotische Sportfans

Herzlich seien sie, aber mit rauer Schale, patriotisch und humorvoll, sportbegeistert und kontaktfreudig, trinkfest und manchmal ein bisschen verrückt - die Australier. So oder ähnlich lauten die Klischees über die Menschen in "Down Under". Wie aber sind die Aussies wirklich? Eine schwierige Frage! Denn der australische Nationalcharakter ist so vielschichtig wie die unterschiedliche Herkunft der Einwanderer dieser multikulturellen Gesellschaft. Gemeinsamkeiten gibt's dennoch...

Zum lässigen "Australian way of life" gehört vor allem, sich selbst möglichst viel Unabhängigkeit und Freizeit zu verschaffen. Spaß will man haben - ob "outdoors", zum Beispiel am Strand, beim Barbecue ("Barbie") im eigenen oder in Nachbars Garten, beim Sport, oder aber im Restaurant, Klub oder Pub. Gern sitzt man auch zu Hause vor dem Fernsehgerät, um (bei reichlichem Bier-Vorrat) eine Cricket- oder Rugby-Übertragung zu verfolgen oder per Leih-Video einen Spielfilm anzuschauen. Doch die Australier arbeiten "trotzdem" hart (viele haben zwei oder mehr Jobs).

Die Aussies feiern oft und ausgiebig - einen Grund hierfür finden sie immer. Dass sie das auch professionell hervorragend können, haben sie im Jahre 2000 als Gastgeber der Olympischen Spiele in Sydney der ganzen Welt bewiesen. Es herrschte Party-Laune rund um die Uhr. "Don't worry!" (Mach dir keine Sorgen!) - diesen Ausspruch kann man in Australien täglich hören. Er macht das ständige Bemühen der Aussies deutlich, einen weitgehend unbeschwerten und unkomplizierten Lebensstil zu praktizieren. Also: Bloß nicht aufregen, keinen Stress! Probleme wird man schon irgendwie und irgendwann lösen. Eine beruhigende Grundhaltung, die manche Konfliktsituation entschärfen kann.

Überhaupt: Der stets freundliche Umgangston der Bewohner des Fünften Kontinents hebt die allgemeine Stimmung. Das zeigt sich beispielsweise im Supermarkt, wenn die Kassiererin jeden Kunden begrüßt und fragt, wie es ihm gehe. Freundlichkeit als Ausdruck einer hoch entwickelten Dienstleistungsgesellschaft ("What can I do for you?" / Was kann ich für Sie tun?). Zur Nachahmung empfohlen! Diese Freundlichkeit wird oft ergänzt von großzügiger Hilfsbereitschaft. Eine lockere Konversation auch mit Fremden und die schnelle Anrede per Vornamen bleiben allerdings in der Regel oberflächlich. Gleich ein persönliches Interesse daraus abzuleiten, würde also meistens zu Enttäuschungen führen.

Eine Vorliebe haben die Australier für Abkürzungen von längeren Begriffen und Namen sowie für - oft witzige, kaum übersetzbare - Slang-Worte. So wird der Mosquito (Moskito) zum "Mozzie", ein kaltes Bier heißt "Coldie", und mit "like a dog's breakfast" ist gemeint, dass etwas sehr unordentlich oder schmutzig ist. Ihren Sinn für Humor unterstreichen sie aber auch damit, dass sie viel über sich selbst lachen. Typisch für die Aussies sind zudem ihre Leidenschaften für Wetten (u.a. Pferderennen: "Melbourne Cup") und für Spielautomaten ("Pokies" genannt).

G. Weller-Foto: Typische australische Pub-Szene

Stark ausgeprägt ist das Nationalbewusstsein der Australier. Das gilt besonders für den Sport und die Berichterstattung der Medien hierüber. Erfolgreiche Sportler sind die "Heroes" (Helden) des Landes. Die Sport-Fans mögen vor allem Cricket, Rugby und Australian Football, Pferderennen, Tennis und Golf sowie Motor- und Wassersport. Fußball (Soccer) spielt nur eine Nebenrolle. Der Sport setzt viele Emotionen frei - das vermag jedoch auch ein populäres Volkslied: Australiens "heimliche" Nationalhymne "Waltzing Matilda". Wenn sie erklingt, rollt so manche Träne der Rührung.

Gern sieht man sich - nicht nur im Sport - als "best of the world". Aber das allgemeine Interesse am "Rest der Welt" ist nicht unbedingt groß. Die Insel-Lage Australiens, die ungeheure Weite dieses Kontinents und seine einzigartige Attraktivität animieren wohl dazu, sich vorwiegend auf die eigenen Belange zu konzentrieren.

Pioniergeist, Härte und Leidensfähigkeit aus frühen Jahren kann man heute noch beobachten - wenn Naturkatastrophen wie Buschbrände, Überschwemmungen oder Dürreperioden die Solidarität aller Aussies herausfordern. Die Menschen im ländlichen Australien, also im Busch oder Outback, unterscheiden sich aufgrund ihrer oft schwierigen Lebensbedingungen (Isolation, Entbehrungen, Naturgewalten) von den Stadt-Bewohnern. Rund 80 Prozent der 21,4 Millionen Australier leben in den großen Städten entlang der Küsten. Im Outback, das die meisten Städter selbst nie gesehen haben, möchte kaum jemand von ihnen wohnen.

Ein Wesensmerkmal der australischen Nation ist das "Fair go" - das heißt, jeder soll eine faire Chance erhalten. Von diesem Gerechtigkeitssinn profitieren selbstverständlich auch die Einwanderer. Trotz des wachsenden asiatischen Einflusses, nicht zuletzt durch viele Neuankömmlinge, gibt sich das Land noch immer in erster Linie britisch.

Zum Schluss ein Tipp: Wird man mit "Mate" (Kumpel) angesprochen, so ist das normalerweise sehr freundlich gemeint ("G' day, mate" / Guten Tag, Kumpel). Heißt es aber "Listen, mate" (Hör zu, Kumpel), dann sollte man sich vorsichtshalber besser zurückziehen...

Gottfried Weller


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Last updated 24 January 2009

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